Das Klimageld kommt vorerst nicht. Obwohl die Ampel-Koalition die Pro-Kopf-Rückzahlung aus der CO2-Bepreisung bereits 2021 versprochen hat, taucht der Begriff im aktuellen Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD nicht auf. Stattdessen setzt die Regierung Merz auf indirekte Entlastung über sinkende Strompreise. Die technische Infrastruktur für die Auszahlung steht seit Ende 2024 bereit. Politisch fehlt der Wille. Hier erfährst du, was das Klimageld ist, wie viel dir zustehen würde und warum es trotzdem nicht auf deinem Konto landet.
Was ist das Klimageld?
Das Klimageld ist eine geplante Pro-Kopf-Rückzahlung an alle Bürgerinnen und Bürger in Deutschland. Die Idee: Der Staat erhebt seit 2021 einen CO2-Preis auf fossile Brennstoffe wie Heizöl, Erdgas und Benzin. Die Einnahmen daraus sollen als gleich hoher Pauschalbetrag an jede Person zurückfließen, auch an Kinder. Wer wenig CO2 verursacht, bekommt mehr zurück, als er über höhere Preise zahlt. Wer viel verbraucht, zahlt drauf. Das Prinzip belohnt klimafreundliches Verhalten, ohne Geringverdiener unverhältnismäßig zu belasten.
In der Praxis passiert das Gegenteil. Die Einnahmen aus dem nationalen Emissionshandel (nEHS) fließen in den Klima- und Transformationsfonds (KTF). Von dort finanziert der Bund Förderprogramme für Gebäudesanierung, Industrie-Dekarbonisierung und erneuerbare Energien. An die Bürger zurückgezahlt wird nichts.
Wie hoch wäre das Klimageld?
Die Schätzungen variieren je nach Berechnungsgrundlage und Zeitpunkt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kommt auf 139 Euro pro Person und Jahr, basierend auf den Einnahmen von 2021 bis 2023. Das Mercator-Institut für Klimaforschung (MCC) rechnet mit 130 Euro für 2024 und bis zu 250 Euro ab 2027. Friedrich Merz nannte im TV-Duell vor der Bundestagswahl 2025 eine Größenordnung von 200 Euro. Die Grünen fordern 250 Euro pro Person jährlich.
| Berechnungsbasis | Euro pro Person/Jahr | Für 4-Personen-Familie |
|---|---|---|
| vzbv (Durchschnitt 2021-2023) | 139 Euro | 556 Euro |
| MCC (Basis 2024) | 130 Euro | 520 Euro |
| MCC (Prognose 2027) | 250 Euro | 1.000 Euro |
| Merz im TV-Duell | 200 Euro | 800 Euro |
| Grüne (Forderung) | 250 Euro | 1.000 Euro |
Für eine vierköpfige Familie wären das je nach Modell zwischen 520 und 1.000 Euro im Jahr. Kein Vermögen, aber ein spürbarer Beitrag zu den gestiegenen Heiz- und Tankkosten.
So ist der CO2-Preis gestiegen
Der nationale CO2-Preis ist seit seiner Einführung 2021 von 25 auf 55 Euro pro Tonne gestiegen. 2026 gilt erstmals ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro. Ab 2027 wird der nationale Emissionshandel in das neue EU-weite System (EU-ETS 2) überführt, dann bestimmt der Markt den Preis.
| Jahr | CO2-Preis (Euro/Tonne) | Einnahmen nEHS (Mrd. Euro) |
|---|---|---|
| 2021 | 25 (Festpreis) | 7,2 |
| 2022 | 30 (Festpreis) | 6,4 |
| 2023 | 30 (Festpreis, Erhöhung verschoben) | 10,7 |
| 2024 | 45 (Festpreis) | 13,0 |
| 2025 | 55 (Festpreis) | 16,0 |
| 2026 | 55-65 (Preiskorridor) | noch offen |
| ab 2027 | Marktpreis (EU-ETS 2) | noch offen |
Die Einnahmen haben sich in vier Jahren mehr als verdoppelt. 2025 nahm der Bund allein über den nationalen Emissionshandel rund 16 Milliarden Euro ein. Kein Cent davon ging direkt an die Bevölkerung zurück.

Warum das Klimageld nicht kommt
Die Geschichte des Klimagelds ist eine Geschichte gebrochener Versprechen. Im November 2021 schrieb die Ampel-Koalition die Rückzahlung in ihren Koalitionsvertrag. 2022 schuf das Jahressteuergesetz die Rechtsgrundlage für die Speicherung von IBANs über die Steuer-ID. Dann passierte jahrelang nichts. FDP-Finanzminister Lindner erklärte das Klimageld Anfang 2024 für "technisch nicht machbar" und "nicht so dringend".
Im November 2024 zerbrach die Ampel. Kurz zuvor, am 27. November 2024, ging das IBAN-Portal des Bundeszentralamts für Steuern online. Bürger können seitdem ihre Kontoverbindung eintragen. Für Kinder unter 18 liegt die IBAN bereits über das Kindergeld-System vor. Die technische Hürde, die Lindner als Argument nutzte, existiert nicht mehr.
Nach der vorgezogenen Bundestagswahl im Februar 2025 schlossen CDU/CSU und SPD einen Koalitionsvertrag, in dem das Klimageld nicht vorkommt. Stattdessen heißt es dort: "Die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung geben wir an Verbraucherinnen und Verbraucher und die Wirtschaft zurück: durch eine spürbare Entlastung beim Strompreis." Konkret bedeutet das bis zu 150 Euro pro Jahr für einen Haushalt mit hohem Verbrauch, verteilt über niedrigere Stromkosten und den Wegfall der Gasspeicherumlage.

Wer die Verzögerung kritisiert
Die Liste der Kritiker ist lang. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert die Rückzahlung der gesamten 11,4 Milliarden Euro, die zwischen 2021 und 2023 über den CO2-Preis eingenommen wurden. Das Umweltbundesamt warnt, dass die CO2-Bepreisung ohne Ausgleich eine regressive Wirkung hat: Einkommensschwache Haushalte geben einen größeren Anteil ihres Einkommens für Heizen und Mobilität aus und werden daher überproportional belastet.
Der Sozialverband VdK fordert das Klimageld gezielt für einkommensschwache Haushalte. Greenpeace und Fridays for Future bezeichnen den Koalitionsvertrag als "Fehlanzeige" beim Klimaschutz. Die Linke hat am 20. März 2026 einen Antrag "Klimageld sofort und sozial gerecht" in den Bundestag eingebracht. Der Umweltausschuss empfiehlt die Ablehnung.
Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt allerdings auch die Grenzen des Klimagelds: Selbst bei voller Rückzahlung würden 18,6 Millionen Haushalte draufzahlen. Besonders betroffen sind Haushalte mit mittlerem Einkommen, die auf dem Land leben und ältere, schlecht gedämmte Immobilien besitzen.
Was du jetzt tun kannst
Trage deine IBAN im BZSt-Online-Portal ein (über www.elster.de oder das BZSt-Portal). Das kostet nichts und dauert wenige Minuten. Falls das Klimageld irgendwann doch kommt, bist du registriert und bekommst es automatisch überwiesen. Ohne hinterlegte Kontoverbindung ist eine Auszahlung technisch nicht möglich.
Prüfe außerdem, ob du von den indirekten Entlastungen der Regierung profitierst. Der Wegfall der Gasspeicherumlage spart einer vierköpfigen Familie mit Gasheizung bis zu 60 Euro im Jahr. Die angekündigte Strompreissenkung soll ab Mitte 2026 greifen.





